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Martinsfest in der Zauberkiste

Von Olga Kapustina
„Ich geh mit meiner Laterne…“ Trompeten, Tuben und Trommel geben den Ton an. Der Zug setzt sich in Bewegung. Mehr als hundert Kinder, Eltern und Erzieherinnen der Kindertagesstätte „Zauberkiste“ laufen durch die Gutenbergstraße in Bonn-Duisdorf. Die Fackelträger führen den Martinszug an. Die Kinder halten ihre Laternenstäbe hoch. Die Martinstradition hat einen festen Platz in dieser Kita, genauso wie in so vielen anderen Einrichtungen in der Region.
Bei der „Zauberkiste“ wird das traditionelle Fest vom Förderverein in Zusammenarbeit mit dem Kita-Team organisiert. Essen und Getränke einkaufen, Einladungen schreiben, alles rund um den Termin planen – das managen die Eltern der Kinder ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Für musikalische Begleitung sorgt wie jedes Jahr der Duisdorfer Musikverein. „Es macht uns einfach Spaß, für die Kinder zu spielen, mit ihnen mitzulaufen“, sagt IT-Berater Steffen Krug, der Trompete spielt.
„Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne…“ Die Kinder sind inzwischen zurück am Tore der Kita angekommen. Ihre Augen leuchten beim Anblick des Feuers, das Pfadfinder auf dem Außengelände ausgerichtet haben. Das Feuer ist größer als Mama und Papa!
Pfadfinder Martin Einwag macht Martinsfeuer seit fünf Jahren. „Es ist schön. Es ist was Uriges“, sagt der 25-jährige Maschinenbau-Student. Er findet, dass Sankt Martin ein Stück rheinisches Brauchtum ist, das ähnlich wie Karneval bewahrt werden sollte. Tatsächlich könnten die Martinszüge bald zum Weltkulturerbe erklärt werden. Die UNESCO-Kommission prüft, ob diese Tradition, die sich im 19. Jahrhundert im Rheinland herausgebildet hat, als immaterielles Kulturerbe anerkannt wird. Die Entscheidung soll Mitte nächsten Jahres fallen.
„Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind…“ Man fühlt sich als Teil von etwas Großem, wenn man am Martinsfeuer bei einer Tasse Kinderpunsch auf dem Spielgelände der Kita sitzt. „Die Stimmung ist so schön. Wenn alle singen, die Musik spielt und die Laternen leuchten, kriege ich immer ein wehmütiges Gefühl und fühle mich an meine eigene Kindheit erinnert“, findet Nina Sangenstedt, Mutter eines Mädchens, das die Einrichtung wegen des Umzugs verlassen hat und speziell zum Martinsfest eingereist ist.
Am Tag nach dem Laternenumzug tauschen die Kinder beim gemeinsamen morgendlichen Treffpunkt ihre Eindrücke aus. „Mir hat gefallen, dass alles geleuchtet hat“, sagt ein Kind. „Das Spielen im Sand im Dunkeln war gut“, findet ein anderes. „Ich fand gut, dass kein T-Shirt gebrannt hat“, sagt jemand. Das Martinsfest wird bei den Kindern in Erinnerung bleiben, bis es im nächsten Jahr wieder soweit ist.
Wer den Förderverein durch eine Spende oder Mitgliedschaft unterstützen will, meldet sich unter foerderverein.zauberkiste@gmail.com.

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